Rede von Moritz Pamminger, Vorsitzender der Jugendfront, anlässlich der Eröffnung des Politischen Zentrums Hanna Sturm in Eisenstadt am 10. Oktober 2026.
Liebe Gäste, liebe Genossinnen und Genossen,
es ist mir eine Ehre, im Rahmen dieser erfreulichen Veranstaltung im Namen der Zentralen Leitung der Jugendfront einige Worte an euch richten zu dürfen.
Die Eröffnung des Politischen Zentrums Hanna Sturm ist ein großer Schritt für unsere Partei in Eisenstadt und im Burgenland. Ich möchte allen Genossinnen und Genossen gratulieren, die mit ihrer harten Arbeit dazu beigetragen haben, dass wir heute ein so schönes Politisches Zentrum eröffnen können. Ich bin mir darüber hinaus sicher, dass dieses Zentrum ein wichtiger Impuls für eure weitere Arbeit in Eisenstadt und im Burgenland sein wird.
Über die Namensgeberin Hanna Sturm wurde bereits gesprochen. Wir sehen sie als Vorbild für unsere heutigen Kämpfe und möchten mit der Benennung dieses Zentrums ihr Leben und ihre Geschichte würdigen. Da ich heute für die Jugendfront spreche, möchte ich an dieser Stelle noch einige weitere Namen erwähnen, auf die ich bei der Recherche für diese Rede gestoßen bin. Die Namen junger Kommunisten aus dem Burgenland, die unter schwierigsten Bedingungen für unsere Sache gekämpft haben.
Nach der Niederschlagung der bewaffneten Erhebung der bewusstesten Teile der Arbeiterklasse im Februar 1934 setzten diese ihren Widerstand fort. Der Malergehilfe Johann Pintsuk gründete 1935 in Sigleß eine Zelle des längst illegalen Kommunistischen Jugendverbandes. Gemeinsam mit Lorenz Tschoch, Matthias Katschek und Franz Rippl wurde er 1936 verhaftet.
Auch gegen den deutschen Faschismus organisierten sich junge Kommunistinnen und Kommunisten. In Deutschkreutz gründete der erst 17-jährige Elektrikergehilfe Ernst Gabriel 1943 eine Widerstandsgruppe. Zu dieser gehörte auch Adalbert Lörincz, der an Sabotageaktionen gegen Telefonleitungen beteiligt war. Beide wurden 1944 verhaftet. Gabriel wurde zu sechs, Lörincz zu vier Jahren Jugendgefängnis verurteilt. Ernst Gabriel starb am 21. März 1945 im Alter von nur 18 Jahren in Haft. Auch Josef Wild, ein Mitglied der Gruppe, starb 1944 nach seiner Haft, in der er schwer misshandelt worden war.
Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Gäste,
das Burgenland brachte viele junge Kommunistinnen und Kommunisten hervor, die mutig und entschlossen für unsere Sache gekämpft haben. Auch wenn wir heute unter anderen Bedingungen kämpfen, bleibt die Organisierung der arbeitenden und lernenden Jugend eine Notwendigkeit.
Dieser Aufgabe widmet sich auch die Jugendfront, die 2022 als Jugendorganisation unserer Partei gegründet wurde. Unsere Aufgabe ist es, die politischen Linien der Partei in die arbeitende und lernende Jugend zu tragen und junge Menschen für den Kampf für ihre Interessen zu organisieren. Dafür entwickeln wir eigenständige Aktivitäten und Aktionen und veröffentlichen eigene Stellungnahmen und Publikationen, mit denen wir die Probleme der Jugend aufgreifen und unsere politischen Positionen vermitteln.
Wir erleben eine zunehmende Verschärfung der innerimperialistischen Widersprüche und eine wachsende Kriegsgefahr. Die Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und an vielen anderen Orten sind Ausdruck der Konkurrenz um Märkte, Rohstoffe, Transportwege und geopolitischen Einfluss. Auch das österreichische Kapital verfolgt dabei seine eigenen Interessen. Die Militarisierung Österreichs und seine Einbindung in die militärischen Strukturen der EU und auch der NATO schreiten weiter voran.
Die Folgen dieser Entwicklung treffen auch die arbeitende und lernende Jugend. Während Milliarden für die Aufrüstung ausgegeben werden, wird bei der Bildung und bei sozialen Leistungen gespart. In Schulen wird stattdessen offen für das Bundesheer geworben. Die Jugend soll auf die Interessen des Kapitals eingeschworen werden und letztlich auch bereit sein, für diese in den Krieg zu ziehen.
Für uns ist klar, dass die Ursachen dieser Entwicklungen im kapitalistisch-imperialistischen System selbst liegen. Deshalb reicht es nicht aus, einzelne Regierungen oder ihre Politik zu kritisieren. Es braucht den organisierten Kampf der Arbeiterklasse und ihrer Jugend gegen dieses System und für den Sozialismus.
Ein wichtiges Feld unserer Arbeit ist dabei die Organisierung von Schülerinnen und Schülern. Das vergangene Schuljahr endete in überhitzten Klassenzimmern, in schlecht isolierten Gebäuden und unter Bedingungen, die ein vernünftiges Lernen de facto unmöglich gemacht haben. Gleichzeitig werden Schulmaterialien für viele Familien zu einer immer größeren finanziellen Belastung. Doch anstatt diese Probleme anzugehen, setzt die Bundesregierung mit dem Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren auf eine Maßnahme, die muslimische Schülerinnen stigmatisiert und Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gegeneinander ausspielt und die Jugend spalten soll.
Während im Bildungswesen gespart wird, schreitet auch die Militarisierung an den Schulen voran. Sogenannte Informationsoffiziere des Bundesheeres werben an Schulen für das Militär. Grundwehr- und Zivildienst werden verlängert. All das zeigt uns, wie wichtig es ist, dass wir als Kommunistinnen und Kommunisten auch an den Schulen präsent sind und mit den Schülerinnen und Schülern über ihre Probleme und deren Ursachen ins Gespräch kommen.
Dass es dafür Anknüpfungspunkte gibt, haben auch die gestrigen Schulstreiks gezeigt. In zahlreichen Bundesländern wurden tausende Schülerinnen und Schüler mobilisiert. In fünf Bundesländern haben wir uns an den Aktionen beteiligt und konnten mit vielen Jugendlichen ins Gespräch kommen.
Im Burgenland wurden keine vergleichbaren Mobilisierungen organisiert. Ich bin aber davon überzeugt, dass es auch hier viele Schülerinnen und Schüler gibt, die mit den Zuständen an ihren Schulen unzufrieden sind und etwas dagegen unternehmen wollen. Die Aufgabe besteht darin, mit diesen Jugendlichen in Kontakt zu kommen. Ich habe euch dafür auch einige Materialien mitgebracht, darunter eine Broschüre über das Schulsystem im Kapitalismus, die eine gute Grundlage für Gespräche und Diskussionen bieten kann.
Natürlich kann ich euch nicht sagen, welche konkreten Schritte für die weitere Entwicklung unserer Arbeit hier in Eisenstadt und im Burgenland die richtigen sind. Ihr kennt die Bedingungen vor Ort, die Betriebe und die Schulen. Ich bin überzeugt davon, dass ihr die richtigen Entscheidungen treffen werdet, um die Arbeiterklasse und ihre Jugend zu erreichen und für unsere Sache zu organisieren. Und ich bin ebenso überzeugt davon, dass das neue Politische Zentrum Hanna Sturm dabei eine wichtige Rolle spielen wird.
Ich wünsche euch im Namen der Zentralen Leitung der Jugendfront viel Erfolg für eure weitere Arbeit und freue mich auf viele weitere Veranstaltungen in diesem Politischen Zentrum.
Rotfront!