Der Vorsitzende der Partei der Arbeit Österreichs (PdA), Tibor Zenker, ist am 16. April 2026 im Alter von 50 Jahren plötzlich und unerwartet zu Hause in Wolkersdorf gestorben. Tibor wurde am 7. März 1976 gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Jan in Wien geboren.
Als Sohn des bekannten Schriftstellers Helmut Zenker (1949−2003) adaptierte er gemeinsam mit seinem Bruder Jan zahlreiche Novellen aus dessen Fernsehserie „Kottan ermittelt“ für das Theater. Das Stück „Kottan ermittelt: Rabengasse 3a“ wurde im Wiener Rabenhoftheater in den Jahren 2009 und 2010 insgesamt 44-mal aufgeführt und von 13.000 Menschen besucht. Das Stück „Kassbach“, basierend auf einem Roman von Helmut Zenker über Faschismus und Neofaschismus wurde ebenfalls im Rabenhoftheater auf die Bühne gebracht (2010). Mit seinem Bruder gemeinsam schrieb er auch „Kottan – Das Puppenmusical“, das im Rabenhof Theater, Wien, Bühne im Hof, St. Pölten, Stadttheater Bozen (2016) gespielt wurde. Tibor war auch der Autor einiger Sherlock Holmes Kriminalromane (2021).
Er schrieb zahlreiche politische Bücher, von denen viele auch in der internationalen kommunistischen Bewegung Beachtung fanden. Exemplarisch seien hier Stamokap heute – Vom gegenwärtigen Kapitalismus zur sozialistischen Zukunft (2005), Was ist Faschismus? (2006), Der Imperialismus der EU 1,2 und 3, (2006, 2010, 2014) Österreich 1938 – Hintergründe, Vorgeschichte und Folgen des „Anschlusses“ (2008) und Über die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse (Zenker/Bruckner/Lang, 2013) erwähnt. Im Jahr 2023 war er maßgeblich an der Verfassung und Herausgabe einer Sondernummer der theoretischen Zeitschrift der PdA, Einheit & Widerspruch, zur Geschichte der kommunistischem Bewegung in Österreich, beteiligt. Tibor publizierte auch in zahlreichen österreichischen und internationalen politischen Zeitschriften, viele seiner Arbeiten wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
Bereits als Jugendlicher wurde er politisch aktiv. Über die Gruppe in Klosterneuburg fand er zur „Stamokap-Strömung“ in der Sozialistischen Jugend (SJ) und wurde neben dem heutigen Vorsitzenden der SPÖ, Andreas Babler, bald einer der führenden Köpfe.
Wer sich aber mit dem staatsmonopolistischen Kapitalismus beschäftigt, merkt bald, dass die Sozialdemokratie nicht die richtige politische Heimat ist, um dagegen anzukämpfen. So führte Tibors Weg ihn um die Jahrtausendwende in die KPÖ, wo er in der Auseinandersetzung mit der revisionistischen Parteiführung in den Jahren 2003/2004 bereits eine wichtige Rolle spielte. Er war Mitbegründer der „Kommunistischen Initiative zur Erneuerung der KPÖ“, die in einem Zusammenschluss aus Mitgliedern fast aller Bundesländer und Generationen den Versuch unternahm, die KPÖ wieder zu einer marxistisch-leninistischen Kampfpartei der österreichischen Arbeiterklasse zu machen.
Die Erkenntnis, dass ein weiteres Wirken in der KPÖ für die Marxisten-Leninisten nicht zielführend war, und sich die revisionistische Führung mit allen möglichen bürokratischen Tricks an die Macht klammerte, führte für Tibor Zenker, so wie für zahlreiche andere Mitglieder, zur Entscheidung, im Jahr 2005 auszutreten und die Kommunistische Initiative (KI) zu gründen, deren Vorstand er von 2005 bis 2013 angehörte. Diese Sammlungsbewegung hatte zum Ziel, in Österreich wieder eine marxistisch-leninistische Partei aufzubauen. Politisch-ideologisch leistete Tibor dabei die Hauptarbeit. Im Vorfeld der Gründung der Partei der Arbeit Österreichs (PdA) im Jahr 2013 schrieb er sowohl die „Gründungs- und Grundsatzerklärung“ als auch das Statut der Partei. Der Gründungsparteitag der PdA wählte Tibor zum stellvertretenden Vorsitzenden. Auf dem vierten Parteitag im Jahr 2019 übernahm er den Parteivorsitz von Otto Bruckner, der seitdem sein Stellvertreter ist, und mit dem ihn seit mehr als zwanzig Jahren eine enge Freundschaft und Kampfgemeinschaft für den Wiederaufbau der kommunistischen Bewegung in Österreich verband.
Als Parteivorsitzender führte Tibor Zenker die PdA umsichtig und klug. Völlig frei von Eitelkeiten legte er Wert auf kollektive Arbeit und einen solidarischen Umgang miteinander.
Nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden auf dem 4. Parteitag der PdA schloss Tibor den Parteitag mit folgenden Worten: „Wir werden keinen Messias brauchen, denn unser historisches Subjekt ist die Arbeiterklasse selbst. Die Erlösung der Menschheit findet im Diesseits statt, in der klassenlosen Gesellschaft, die über die proletarische Revolution und den Sozialismus führt. Damit das aber ermöglicht wird, braucht es eine starke marxistisch-leninistische Kampfpartei. Und das ist unsere Mission und – wenn man sich ansonsten in der österreichischen Linken und Arbeiterbewegung so umschaut – auch unsere Pflicht, die uns niemand abnehmen wird und kann.“
Der Tod von Tibor Zenker reißt eine riesige Lücke in die Reihen der Partei der Arbeit, die nicht so schnell zu schließen sein wird. Im persönlichen Gespräch brachte er oft die Überzeugung zum Ausdruck, dass die PdA sich entwickeln und wachsen wird. Nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden im Jahr 2019 wurden wichtige Reorganisationsmaßnahmen eingeleitet und politisch-ideologische Klarheit hergestellt. Mit verlässlichen Organisationsstrukturen in fünf Bundesländern und eigenen Lokalitäten in drei davon steht die Partei heute für neue Aufgaben bereit. Das ist zu einem großen Teil auch das Verdienst von Tibor Zenker. Wir werden den Kampf in seinem Sinne weiterführe.
Unser aufrichtiges Beileid gilt in diesen schweren Stunden Tibors Lebensgefährtin Gabi, seinem Sohn Simon, seiner Tochter Judith, seinem Stiefsohn Jakob, seinem Bruder Jan, seiner Mutter und allen anderen Verwandten, Freunden und Wegbegleitern.