Erklärung der Zentralen Leitung der Jugendfront. Wien, 8. März 2026.
Der Internationale Frauentag ist ein Kampftag der Bewegung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Der 8. März wurde unter anderem deshalb gewählt, weil an diesem Tag Arbeiterinnen und Bäuerinnen in Petrograd auf die Straßen gingen, Friede und Brot forderten und so den Startschuss für die Februarrevolution gaben. Von Beginn an war dieser Tag eng mit der kommunistischen Bewegung verbunden und Ausdruck der Erkenntnis, dass die Unterdrückung der Frau untrennbar mit den Klassenverhältnissen der kapitalistischen Gesellschaft verbunden ist.
Frauen sind überdurchschnittlich häufig in schlecht bezahlten und prekären Beschäftigungsverhältnissen tätig, leisten den Großteil der unbezahlten Sorge- und Hausarbeit und sind häufiger von Armut betroffen. Dazu kommen sexuelle Belästigung, Gewalt und gesellschaftliche Erwartungen, die ihre Selbstbestimmung einschränken. Das Kapital profitiert ökonomisch von diesem Ungleichgewicht und es reproduziert auch die Bedingungen, die eine Emanzipation von jungen Mädchen schwerer machen: Armut, fehlende Bildungschancen, nicht leistbare Betreuungsangebote, etc.
Besonders deutlich zeigt sich das an der Politik der aktuellen Regierung. Während sie im Zuge ihrer Austeritätspolitik die Sozialhilfe kürzt, während Bildungs- und Betreuungseinrichtungen zu wenig Geld und Personal haben, werden jene Voraussetzungen zerstört, die für die Emanzipation junger Frauen und Mädchen entscheidend wären. Gute öffentliche Bildung, leistbare Kinderbetreuung, soziale Absicherung und sichere Ausbildungs- und Arbeitsplätze sind grundlegende Bedingungen dafür, dass Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen können.
Während die Bundesregierung mit ihrer Austeritätspolitik die Folgen der kapitalistischen Krise auf die Arbeiterklasse und die Jugend abwälzt und damit genau jene Voraussetzungen zerstört, die für die Emanzipation junger Frauen und Mädchen notwendig wären, instrumentalisiert sie Frauenrechte gleichzeitig für ihre eigene politische Agenda. So wird etwa das rassistische Kopftuchverbot an Schulen mit angeblicher „Emanzipation“ von Mädchen gerechtfertigt.
Tatsächlich ist das Kopftuchverbot nichts als der Versuch der Regierung mittels einer islamophob und rassistisch aufgeladenen Symbolpolitik von ihrer eigentlichen Politik abzulenken. Die Arbeiterklasse und die Jugend sollen an konstruierten Trennlinien gespalten werden. Dass dafür selbst Kinder stigmatisiert werden, zeigt den verkommenen Charakter der Gesellschaftsordnung im Kapitalismus.
Wir dürfen uns nicht an solchen konstruierten Trennlinien spalten lassen. Wir müssen uns vielmehr gemeinsam organisieren und gemeinsam für die Befreiung von Frauen und Mädchen kämpfen. Denn schenken wird uns niemand etwas. Historische Errungenschaften wie das Frauenwahlrecht waren das Ergebnis organisierter Kämpfe der Arbeiterinnenbewegung.
Gerade diese Erfahrungen zeigen auch die Grenzen von Fortschritten innerhalb der bestehenden Gesellschaftsordnung. Eine vollständige Befreiung der Frau ist innerhalb des kapitalistischen Systems nicht erreichbar. Solange eine Gesellschaft auf Ausbeutung, Konkurrenz und sozialer Ungleichheit basiert, werden auch Unterdrückung und Abhängigkeit fortbestehen.
Wir dürfen also auch nicht dabei stehen bleiben, bloß Symptome des kapitalistischen Systems zu bekämpfen. Der Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen und Mädchen muss in eine klassenkämpferische und revolutionäre Richtung gelenkt werden. Der Kampf für die Befreiung der Frau ist ein zentraler Bestandteil des Kampfes für den Sozialismus!
Für die Befreiung von Frauen und Mädchen!