Trauerrede von Moritz Pamminger, dem Vorsitzenden der Jugendfront der Partei der Arbeit Österreichs (PdA), im Rahmen der Verabschiedung des am 16.04.2026 verstorbenen Vorsitzenden der PdA, Tibor Zenker, Wien, 12.05.2026.
Sehr geehrte Trauergemeinde, liebe Familie und Freunde von Tibor, liebe Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter Tibors, liebe Genossinnen und Genossen,
Wir sind heute hier versammelt, um Abschied zu nehmen von einem Menschen, dessen Wirken weit über sein eigenes Leben hinausreichen wird.
Tibors politische Arbeit, seine Texte, Ideen und Ratschläge, aber auch seine Persönlichkeit, sein Scharfsinn und sein Humor haben uns als Jugendorganisation geprägt. Schon an der Tatsache, dass die Jugendfront als österreichweite marxistisch-leninistische Organisation für die arbeitende und lernende Jugend überhaupt existiert, trägt Tibor großen Anteil. Während seiner Periode als Vorsitzender der Partei der Arbeit fasste der Parteivorstand die nötigen Beschlüsse, um die Gründung einer kommunistischen Parteijugend vorzubereiten. Der 5. Parteitag im April 2022 bestätigte diese Entscheidung und es wurde im Zuge einer Gründungskampagne die Jugendfront aufgebaut. Tibor war zentral an der Ausarbeitung unseres Arbeitsrahmens beteiligt und unterstützte uns während der Kampagne in jeder Hinsicht. Bei unserem Gründungskongress in Linz im Oktober 2022 endete Tibor seine Grußworte im Namen des Parteivorstandes folgendermaßen:
„Ich freue mich auf die kommenden Monate und Jahre unseres gemeinsamen Wirkens, auf den wertvollen Beitrag, den die Jugendfront zur Stärkung der PdA und der revolutionären Arbeiterbewegung leisten wird“
So sehr ich mir gewünscht hätte, dass wir noch so viel mehr Jahre der gemeinsamen Arbeit und des gemeinsamen Kampfes hätten erleben können, so sehr sehe ich auch, dass Tibors Wirken in unseren Strukturen weiterleben wird. Ich möchte nur einige Beispiele aufführen:
Bei einer Kampagne anlässlich der steigenden Kriegsgefahr haben wir uns als Jugendfront im letzten Herbst mit dem Charakter des imperialistischen Weltsystems und Österreichs Rolle darin beschäftigt. Wir konnten auf drei Bücher zurückgreifen, die Tibor dazu verfasst hat. Wenn wir uns mit historischen Themen, etwa der Geschichte des Kommunistischen Jugendverbandes, auseinandersetzen, können wir zahlreiche Broschüren, Artikel in der Einheit und Widerspruch sowie der Zeitung der Arbeit von Tibor zu Rate ziehen. Tibor Zenker ist einer der zentralen marxistisch-leninistischen Theoretiker in Österreich seit der Konterrevolution. Und seine Texte waren nie bloße akademische Arbeiten, sondern Beiträge zum politischen Kampf. Für ihn war die Geschichte der Arbeiterbewegung immer eine Quelle von Erfahrungen und Lehren für die Kämpfe der Gegenwart.
Tibor war immer bereit, auch in persönlichen Gesprächen, sein Wissen an Mitglieder der Jugendfront weiterzugeben. Wenn er bei uns referiert hat, ist er nicht nach seinem Vortrag direkt wieder gegangen, sondern hat sich zu uns gesetzt und hat mit uns alle Themen diskutiert, die uns am Herzen lagen. Er hat dabei immer jeden Genossen und jede Genossin wertgeschätzt und ernstgenommen. Er hat nicht nur Wissen weitergegeben, er wollte auch selber immer etwas lernen. Er war nie eitel. Man hatte nie das Gefühl, belehrt zu werden.
Und man konnte mit Tibor auch viel Spaß haben. Bei der Sommerschule der PdA am Attersee, die jährlich auch viele Genossinnen und Genossen der Jugendfront besuchen, hat er mit uns Fußball gespielt. Bei einem unserer Jugendfront-Tischtennisturniere ist der Genosse Vorsitzende eines Tages, ohne sich vorher anzukündigen, aufgetaucht und hat mit uns Tischtennis gespielt. Dabei hat er dann, so wurde mir das erzählt, mit Leichtigkeit alle deutlich jüngeren Genossinnen und Genossen kurzerhand besiegt. Bei den Sommerschulen konnte man bis tief in die Nacht mit Tibor zusammensitzen und darüber mutmaßen, wann, wie und wo die nächste Revolution wohl ausbrechen wird. Und auch in diesen Gesprächen ist mir selbst immer ganz deutlich geworden: Obwohl er sicher kein Träumer, sondern ein Realist war, so war Tibor doch zu jedem Zeitpunkt davon überzeugt, dass wir siegreich sein werden, dass unsere Mühen nicht umsonst sind, sondern uns näher an unser Ziel bringen. „Wir leben in der Epoche des Übergangs der Menschheit vom Kapitalismus zum Sozialismus“ war ein Satz, den man von Tibor zurecht sehr häufig hören und lesen konnte.
Als Wiener Jugendfront besuchen wir seit zwei Jahren jedes Jahr den Zentralfriedhof und erinnern an große und wichtige Persönlichkeiten der kommunistischen und Arbeiterbewegung. Um an sie zu erinnern und um Lehren aus ihrem Kampf für die Kämpfe der Gegenwart und der Zukunft zu ziehen. Ab diesem Jahr werden wir einen weiteren Halt machen.
Wir werden Genossen Tibor nicht vergessen, sein ganzes Wirken lebt in unserer Partei und in der Jugendfront weiter. Sein Werk, seine Bücher und Broschüren, seine Artikel, unsere Erinnerungen an Gespräche, Diskussionen und gemeinsame Erlebnisse mit Tibor werden für immer bleiben.
Indem wir unseren Kampf fortsetzen, setzen wir auch Tibors Kampf fort. Und wir werden ihn bis zum Ende fortsetzen.
Vielen Dank!