Erklärung der Zentralen Leitung der Jugendfront, Wien, 19. Juli 2026
Die Fußball-WM in Kanada, Mexiko und den USA sorgt für immer größere Skandale. Der US-Präsident kann mit einem einfachen Anruf Regeln außer Kraft setzen, mit neuen Pausen werden während des Spiels noch häufiger Werbeslots vergeben, um maximalen Profit zu erzwingen, dem iranischen Nationalteam wurden absurde Sonderregelungen auferlegt, die eine massive Wettbewerbsverzerrung darstellen und anstelle von Völkerverständigung stehen Chauvinismus und Rassismus. Das Muster ist nicht neu: Der Weltfußballverband (FIFA) ist seit langem für Korruption, Intrigen und Machtmissbrauch bekannt. Doch das Problem beschränkt sich nicht auf die FIFA. Fußball ist wie viele Sportarten einer maximalen Kommerzialisierung ausgesetzt, denn im Kapitalismus wird alles zur Ware. Auch der Sport.
Das war nicht immer so. Die Geschichte des Fußballs ist eng mit der Arbeiterbewegung verbunden. Fußball war ein Arbeiterinnen- und Arbeitersport. Einen Ball und eine freie Fläche, mehr braucht es dafür nicht. In Arbeitervierteln, Schulen und Betrieben steht er für Kollektivität und Disziplin. Auf dem Spielfeld und im Stadion wurden und werden Werte wie Gemeinschaft und Solidarität gelebt.
Der Arbeiterfußball wurde historisch bewusst vom bürgerlichen Sport abgegrenzt: Arbeiterinnen und Arbeiter gründeten ihre eigenen Vereine, Verbände und Meisterschaften. Die Selbstorganisation auf dem Sportplatz verlieh der Klasse Würde und Bewusstsein. Sie war ein Ansporn im gemeinsamen Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung.
Die Geschichte des Fußballs zeigt, wie der Kapitalismus in all diese Räume vordringt und sie uns nimmt. Emotionen und Gemeinschaft werden kommerzialisiert. Spielerinnen und Spieler werden zu Investitionsobjekten, teure Tickets, Merchandising, Sponsoring und Pay-TV treiben die Entfremdung des Sports auf die Spitze. Gleichzeitig hat die herrschende Klasse kein Interesse daran, die Arbeiterinnen und Arbeiter gänzlich vom Fußball zu isolieren. Für die Realisierung von Profit sind die Kapitalisten auf die Faszination der Arbeiterklasse für den Fußball angewiesen. Und so begeistern sich noch immer hunderte Millionen von Arbeiterinnen und Arbeitern auf der ganzen Welt für einen Sport, der eigentlich wunderschön, längst jedoch bis aufs Letzte kommerzialisiert ist. Das Stadion, egal ob Kurve oder Sitzplatz, ja sogar das Public Viewing, sind einige der wenigen übrig gebliebenen Orte, wo kollektive Emotionen noch öffentlich gezeigt werden können. Durch die Entkernung des Fußballs als Klassensport handelt es sich heute jedoch vielfach um eine Ersatzgemeinschaft, die Solidarität und gemeinsamen Kampf in den Betrieben und Schulen ersetzt, nicht ergänzt.
Sport für die Jugend, gegen das Kapital und seine Regierung!
Körperliche Betätigung und Bewegung stellen elementare Bedürfnisse des Menschen dar. In der kapitalistischen Gesellschaft steht die Erfüllung dieses Bedürfnisses permanent unter Beschuss: An vielen Orten mangelt es an Flächen für körperliche Bewegung und die Mitgliedschaft in einem Verein kostet. Für immer mehr Familien ist es aufgrund von Inflation und Reallohnverlust eine Herausforderung, ihren Kindern die Ausübung des gewünschten Sports zu ermöglichen. Die aktuellen Sparmaßnahmen der Bundesregierung verschärfen die Situation weiter. Neben dem Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen wird auch beim Sport gespart. Für die Jahre 2025 und 2026 wurde das Sportbudget bereits um zehn Prozent gekürzt. Dabei handelt es sich um einen Rückgang von 24 Millionen Euro. Im Doppelbudget für die Jahre 2027/2028 stehen weitere Kürzungen bevor.
Die Bundesregierung zeigt damit einmal mehr ihr jugendfeindliches Gesicht. Während Milliarden für Aufrüstung und Militarisierung ausgegeben werden, wird bei unserem Sport gespart. Setzen wir uns gemeinsam zur Wehr!
Solidarität statt Kommerzialisierung!
Hände weg von unserem Sport!
Ursprungsbild: PK-WIKI, CC BY 4.0 via Wikimedia Commons