Rede der Jugendfront der Partei der Arbeit Österreichs (PdA) an der Klagemauer des ehemaligen KZ Mauthausen, 10. Mai 2026.
Liebe Kameradinnen und Kameraden! Liebe Genossinnen und Genossen!
Es ist mir eine Ehre im Namen der Jugendfront der Partei der Arbeit Österreichs einige Worte an euch richten zu dürfen. Wir stehen heute vor den Gedenktafeln des Kommunistischen Jugendverbands (KJVÖ) und der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ).
Wir haben uns heute, 81 Jahre nach der Befreiung, versammelt, um die tapferen Kommunistinnen und Kommunisten sowie die Sozialistinnen und Sozialisten, denen der deutsche Faschismus das junge Leben geraubt hat, zu ehren und ihnen zu gedenken. Wir gedenken all jenen, die trotz Illegalität den Widerstand gegen das Naziregime weiterführten, all jenen, die ihrer politischen Linie bis zum Ende treu blieben, und all jenen jungen Menschen, die unermüdlich für die Befreiung Österreichs kämpften.
Die Repression unserer jungen Genossinnen und Genossen begann nicht erst mit der Okkupation Österreichs durch Deutschland. Bereits 1931 wurde die behördliche Auflösung des KJVÖ durchgesetzt. Bis 1933 arbeitete der Kommunistische Jugendverband halblegal weiter, indem er sich unter neuem Namen wieder eine neue behördliche Zulassung holte. Seine Arbeit wurde durch neue Verbote jedoch immer wieder unterbrochen. Allen polizeilichen Schikanen zum Trotz wuchs jedoch der Verband und konnte Einfluss unter den jungen Arbeiterinnen und Arbeitern gewinnen. Zwischen antikommunistischer Hetze, Bespitzelung und Repressionen wurde die politische Arbeit dennoch fortgesetzt, auch nach dem Anschluss an Nazideutschland im März 1938. Ähnlich wie zuvor im Austrofaschismus versuchte man auch in den legalen Massenorganisationen der Nazis zu wirken, wie etwa in der Hitlerjugend oder im „Bund Deutscher Mädel“. Die politischen Inhalte sollten an möglichst breite Teile der Arbeiterjugend herangetragen werden und die Jugend sollte über den imperialistischen und räuberischen Charakter des deutschen Faschismus aufgeklärt werden. Denn, wie Georgi Dimitroff am 7. Weltkongress der Kommunistischen Internationale feststellte: „Überall dort wo Jugendliche sind, muss der Kampf um diese Jugend geführt werden“.
Nach einer Verhaftungswelle im Herbst 1938 wurde die Organisation von neuen, den Behörden unbekannten Gesichtern, wieder aufgebaut. Die „zweite Leitung“ des KJVÖ bestand unter anderem aus Anton Gjada, Alfred Fenz, Elfriede Hartmann, Rosa Hofmann und vielen weiteren mutigen Jungkommunistinnen und ‑kommunisten. Als 1942 die Gestapo 100 weitere Jugendliche verhaftete, setzte sich die Losung „Du bist die Partei“ durch und wurde in die kommunistische Organisation und Verbände weitergetragen. Mit dieser Losung war gemeint, dass nicht mehr die Organisation des Verbandes Ausgangspunkt des Kampfes gegen den Faschismus ist, sondern jede einzelne Genossin, jeder einzelne Genosse.
Unsere Genossinnen und Genossen hielten ihren Widerstand bis zur endgültigen Befreiung Österreichs und des Sieges der Völker über den Faschismus aufrecht.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für den von jungen Kommunistinnen und Kommunisten organisierten Widerstand stellten die Genossinnen und Genossen von der Gruppe Soldatenrat. Sie versuchten ab 1939 Wehrmachtssoldaten mittels Flugblätter von der Sinnlosigkeit des Krieges zu überzeugen. Sie galten als eine der größten Jugendorganisationen im österreichischen Widerstand und wurden von der NS-Justiz als äußerst gefährlich angesehen.
Viele von ihnen bezahlten dafür mit ihrem Leben, unter ihnen auch Anna Gräff, die mit gerade einmal 18 Jahren hingerichtet wurde. Aber auch Elfriede Hartmann, Felix Imre, Rudolf Masl, Rosa Hofmann, Ernestine Diwisch, Franz Reingruber und viele weitere, von denen wir nicht alle Namen kennen, sollen uns in Erinnerung bleiben.
Liebe Genossinnen und Genossen.
Die Würdigung und das Gedenken an die Antifaschistinnen und Antifaschisten, an die Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer, an alle Opfer muss unsere heutige Arbeit mitprägen!
Denn heute stolzieren hier Delegationen bestimmter Länder über den Platz, die seit 1945 für eine Vielzahl von völkerrechtswidrigen Angriffskriegen verantwortlich sind. Eine Delegation, deren Land seit mehreren Jahren einen Vernichtungskrieg und einen Genozid durchführt und mithilfe anderer Länder nun auch offen weitere Gebiete unter den Zwang der Zerstörung bringt. Diese Staaten morden und bombardieren, wodurch tausende unschuldige Menschen mit ihrem Leben bezahlen. Das ist Politik im Dienste der Monopole zur Durchsetzung von Macht, Einfluss und Kontrolle über Ressourcen.
Doch wir beugen uns nicht der politischen Propagandalügen der bürgerlich-kapitalistischen Machthaber und Kriegstreiber. Das ist ein Versprechen. Wir bekennen uns dazu, gemäß dem Mauthausen-Schwur, den Kampf gegen Imperialismus und nationale Verhetzung fortzusetzen. Das sind wir den Opfern des historischen Faschismus schuldig – und auch den Opfern des gegenwärtigen Imperialismus. Wir tun das in der Gewissheit des Sieges über die Ausbeuter und Mörder, mag es auch ein langer Kampf sein. Denn nie wieder muss nie wieder für alle heißen. Der Mauthausenschwur ist ein politisches Vermächtnis und ein Auftrag für alle Völker der Welt.
Liebe Genossinnen und Genossen.
Der Faschismus war für die beispiellosen Verbrechen verantwortlich, die auf dem Platz, auf dem wir heute stehen, begangen worden sind. Der Faschismus ist nicht einer Willkür entsprungen; er ist die äußerste Konsequenz des repressiven und aggressiven Wesens des Imperialismus, dem höchsten Stadium des Kapitalismus. Der Faschismus ist eine offen diktatorische, eine reaktionäre und chauvinistische Herrschaftsform des Monopolkapitals. Er entspringt nicht einer spontanen Bewegung radikalisierter Kleinbürger – die faschistische Diktatur Österreichs zeigte beispielhaft, dass sie auch seitens des bürgerlichen Staatsapparates von oben eingesetzt werden kann.
Für uns als Kommunistinnen und Kommunisten, als Arbeiterinnen und Arbeiter erschließt sich somit, dass konsequenter Antifaschismus immer auf Antiimperialismus und Antikapitalismus beruhen muss. Nur die Überwindung des Kapitalismus und der Sieg des Sozialismus werden die Gefahr des Faschismus für immer bannen können.
Denn eine Welt ohne Faschismus und Krieg wird erst der Sozialismus ermöglichen.
Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!
Für die Freiheit der Arbeiterinnen und Arbeiter!
Rotfront!