Rede der Fronte della Gioventù Comunista (FGC), der italienischen Schwesternorganisation der Jugendfront der Partei der Arbeit Österreichs (PdA), auf der Befreiungsfeier im ehemaligen KZ Mauthausen, 10. Mai 2026.
Liebe Genossinnen und Genossen,
im Namen des Zentralkomitees der FGC möchte ich der Jugendfront dafür danken, dass sie die FGC zu dieser internationalistischen Initiative eingeladen hat.
An diesem Ort, einem Symbol der Nazi-faschistischen Barbarei und des imperialistischen Krieges, waren rund 200.000 Menschen inhaftiert, von denen mehr als die Hälfte aufgrund der unmenschlichen Bedingungen starben.
Einigen Studien zufolge war Mauthausen das „Lager der Italiener“, rund 8.000 italienische Häftlinge wurden hierher deportiert, mehr als in jedes andere Lager. Anderen Quellen zufolge befanden sich im Lager Dachau etwas mehr Italiener.
Wir wollen uns jedoch auf den Charakter dieser Häftlinge konzentrieren. Es ist bekannt, dass das Lager Mauthausen von den Nazis als Lager zur Vernichtung politischer Häftlinge durch Zwangsarbeit konzipiert wurde. Dies gilt auch für die italienischen Häftlinge. Als beispielsweise angloamerikanische Truppen den Block 22 des Außenlagers Gusen befreiten, befanden sich dort 209 italienische Häftlinge; darunter waren 127 Partisanen, streikende Arbeiter, Antifaschisten oder Wehrdienstverweigerer.
Ein bedeutender Teil der italienischen Deportierten im Lager Mauthausen bestand aus Tausenden von Arbeitern, die im März 1943 und insbesondere im März 1944 große Streikwellen in den Fabriken Norditaliens gegen die deutsche Besatzung und den Kollaborationismus der sogenannten „Republik von Salò“ anführten. Die meisten der von den Faschisten (deutschen und italienischen) während oder nach den Streiks von 1944 zusammengetriebenen Arbeiter, wurden hier hergebracht.
Unter der politischen Führung der Kommunistischen Partei Italiens und des Nationalen Befreiungskomitees legten die Arbeiter die Produktion unter dem Slogan „Brot, Frieden und Freiheit“ lahm. Die nazifaschistische Repression war brutal, und es ist kein Zufall, dass die meisten Deportationen in den großen Industriestädten des Nordens stattfanden. Allein in Genua verhafteten und deportierten die Faschisten am 16. Juni 1944 1.488 Arbeiter, als diese ihre Schichten in den Fabriken von Ansaldo, ILVA und SIAC antraten.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Aktivitäten in den Fabriken ein wichtiger Teil der Partisanenaktionen der Kommunisten waren, wobei die Patriotischen Aktionsgruppen Sabotageakte gegen die Produktion koordinierten.
Einer der deutlichsten Beweise für den Verrat der bürgerlichen Republik am partisanischen Widerstand war gerade die Tatsache, dass jene Fabriken, die von den Arbeitern verteidigt worden waren, wieder unter die Kontrolle derselben Bourgeoisie fielen, die den Faschismus an die Macht gebracht und mit der deutschen Besatzungsmacht kollaboriert hatte.
Genossinnen und Genossen,
diese historischen Fakten dienen dazu, uns daran zu erinnern, dass der Faschismus ein Regime mit einem ganz bestimmten Klassencharakter war. Er war die brutalste Form der Diktatur des Kapitals, geschaffen mit der direkten wirtschaftlichen, politischen und logistischen Unterstützung des internationalen Finanz- und Industriekapitals, das ein reaktionäres Massenregime aufbaute, um Arbeiter und Völker zu unterdrücken und Krieg gegen die Sowjetunion, das Land der proletarischen Revolution, zu führen.
Orte wie die nationalsozialistischen Konzentrationslager waren nicht das Produkt menschlichen „Wahnsinns“ oder einzelner Persönlichkeiten, sondern vielmehr die wissenschaftliche Anwendung der Prinzipien der kapitalistischen Industrie auf die Ausbeutung – und Vernichtung – politischer Gefangener. Es ist beispielsweise bezeichnend, dass Tausende von Deportierten schließlich direkt in großen Industriebetrieben arbeiten mussten.
Heute versucht die politische und mediale Propaganda unserer Feinde, diese historische Wahrheit zu verschleiern. Die Schulsysteme und die offiziellen Doktrinen der kapitalistischen Staaten und der Europäischen Union verbreiten die obszöne Theorie, die die UdSSR durch das ideologische Konstrukt des sogenannten „Totalitarismus“ mit dem nationalsozialistischen Dritten Reich gleichsetzt.
Gleichzeitig ist es angesichts der Verschärfung des imperialistischen Wettbewerbs und des Ausbruchs imperialistischer Kriege, auch auf europäischem Boden (wie der imperialistische Krieg in der Ukraine), bezeichnend, dass beide Seiten heuchlerische Appelle gegen den „Faschismus“ vorbringen, um ihre eigenen Pläne und Politiken zu legitimieren.
In ähnlicher Weise rufen in zahlreichen Ländern wie Italien und Frankreich bürgerliche politische Kräfte, die sich als „progressiv“ präsentieren und bereit sind, den Kapitalismus zu verwalten oder bürgerliche Regierungen zu unterstützen, zur „Einheit der Linken gegen den Faschismus“ auf, um durch die Förderung neuer sozialdemokratischer Illusionen Wählerstimmen zu gewinnen.
Genossinnen und Genossen,
die antifaschistische Stimmung, insbesondere unter den jüngeren Generationen, ist eine positive Haltung, die wir nicht unterschätzen dürfen. In Italien bewerten wir angesichts der reaktionären Tendenzen der Regierung Meloni den breiten Widerstand der jungen Menschen gegen diese Regierung positiv. Als Kommunisteninnen und Kommunisten müssen wir uns jedoch stets darüber im Klaren sein, dass der antifaschistische Kampf untrennbar mit dem Kampf gegen das System verbunden ist, das Faschismus und imperialistischen Krieg hervorbringt. Unsere Aufgabe heute ist es, die aufrichtigsten Gefühle der Jugend und der bewusstesten Teile der Arbeiterklasse in unsere gemeinsamen Bemühungen zum Aufbau starker kommunistischer Parteien in unseren Ländern zu lenken.
Genossinnen und Genossen,
wir gedenken unserer Märtyrer, derer, die auf dem Weg des Kampfes für den Sozialismus gefallen sind. Wir haben eine große Geschichte hinter uns und blicken optimistisch in die Zukunft. Das 21. Jahrhundert wird Zeuge eines neuen Aufschwungs der Arbeiter- und kommunistischen Bewegung sein. Die FGC und die Jugendfront werden in diesem Kampf Schulter an Schulter stehen.
Es lebe der proletarische Internationalismus!
Es lebe die kommunistische Jugend!